Tourtagebuch – 12.02.2014 Bochum, Biercafé

“Irgendjemand hier noch Chili? Mit Gehacktes? Chili? Sie vielleicht?”
Höflich, aber erfolglos hält mein Freund und Kollege Hendrik den Besuchern von Konnis Imbiss seinen Teller unter die Nase. Die Männer, die heute Abend in dem Bochumer Grill sitzen, sind durchaus Fleischfresser. Anders als Hendrik, der bei der Bestellung der Chili-Kartoffel vergaß, dass “Chili” im Ruhrpott natürlich immer “con carne” heißt. Allein: Sie wollen nicht. Die Maler und Anstreicher nicht, der Fußballfan nicht und auch nicht die beiden Polizeibeamten, die ihre Pause bei einer Currywurst genießen. Hendrik und ich sind in einer halben Stunde im Biercafé dran, gemeinsam die kleine Bühne zu rocken. Auf dem Plakat des Abends steht “Paranoid Hendroid feat. Oliver Uschmann”, was Hendrik ein wenig unangenehm ist. “Schließlich bist du der Headliner”, sagt er und lässt sich das Chili einpacken, “für die Frau.” Mich stört es nicht, dass ich heute abend nur The Funky Bunch bin und Hendrik in seiner Rolle als Paranoid Hendroid Marky Mark. Er ist mindestens ebenso Rampensau wie ich, auch als hagerer Vegetarier. Einige der Besucher rätseln mit mir nach dem Auftritt: Sieht er eher aus wie Orlando Bloom oder der frühe Hugh Grant? Charmant ist er auf jeden Fall, mit seinen unglaublichen Liedern, die nach eigener Aussage “von Technikangst und Sozialgedöns” handeln. Ein unglaublich guter Titel für ein Album wäre das, “Technikangst und Sozialgedöns”, volles Lob in Intro und Spex und im Querverweis bei Amazon stünde: “Kunden haben auch gelkauft: Olli Schulz, Helge Schneider, Spacemen Spiff.” Kommt noch.
Jetzt erstmal: Spielfreude.
Bei ihm, bei mir.
Ich bringe viel Wenn Männer baden gehen und ein paar erste Kostproben aus Überleben beim Fußball. Ein tätowierter Mittzwanziger am Tisch vor der Bühne empfiehlt seinen Mitgereisten so laut wie euphorisch den örtlichen Whiskey, kriegt aber gleichzeitig alles mit und lobt nach der Show die Pointen über den Klee. Die kleine Kneipe ist ansonsten zur Hälfte mit Freunden, Künstlerkollegen und Klienten aus dem Talentscouting gefüllt, das Hendrik mit seinem Roman-Projekt zum größten Teil von mir als “Wortguru” übernommen hat. Es ist ein schöner Abend, auch, weil – anders als noch beim letzten Mal – das Biercafé nun auch eine Luftatmerkneipe geworden ist. Das ist bedauerlich für die Raucher, die sich an diesem regnerischen Abend im Zelt mit Heizpilz versammeln, aber gut für unsere Stimmen. Vor allem für die von Hendrik, dem samtenen wie bissigen Satire-Barden, der Song für Song präsenter wird. Auch und vor allem, weil ihm kein Chili con carne schwer im Magen liegen kann.

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