Tourtagebuch – 06.03.2014 Berlin, Sendegebäude N24

“Eben haben wir noch geschlafen.” Das ist ein Lieblingssatz aus der Serie “Grey’s Anatomy”, erstaunt geäußert von erfahrenen Chirurgen, die doch jedes Mal von Neuem darüber erstaunt sind, wie schnell das Unerwartete über einen hereinbricht. Ich könnte heute sagen: “Eben war ich noch im Dorf.” Und jetzt? In der Maske von N24 in Berlin. Puder auf die Pläte. Zuvor: Im Flieger von Düsseldorf in die Hauptstadt. Die Autobahn um 3 Uhr nachts. Der Flughafen um 4:35 Uhr am Morgen. Leere und Melancholie, aber auch Aufbruch. Der Nachrichtensender mit den Dauerlaufmeldungsbändern im unteren Bildschirmrand hat mich eingeladen, um einen Tag lang in mehreren Slots das gestrige Länderspiel Deutschlands gegen Chile zu kommentieren, auf meine Art, satirisch und überspitzt, anlässlich des neuen Buches. Unter mir wird, als ich live drauf bin, der Begriff “Fußball-Experte” eingeblendet, was mich leicht erröten lässt. Zwar würde ich sagen, dass ich das bin, doch eine Titulierung als “Satiriker” wäre mir lieber. Ich halte schließlich während der drei Studioauftritte, die mir vergönnt sind, mit meiner Meinung nicht hinterm Berg. Mache “Jogi” zum Zaghaften, der sich nicht mal traut, einen Navy Seal wie Andre Hahn bei einem Testspiel auch wirklich zu testen, wenn es genau ihn gegen die physisch wuchtigen Chilenen gebraucht hätte. Zeichne überspitzt und mit dickem Edding. Mache Vorschläge, was wir brauchen für die WM 2014: Tiki-Taka und alte Werte. “Zauberkopf und Malocherumpf.” Das Ganze ist eine interessante Erfahrung. In der Zeit, in der man nicht live dran ist, wartet man im “VIP-Raum” eine Etage über dem Studio und lernt dort im Eiltempo eine Menge Leute kennen, die ebenfalls ihren Keks in den Kaffee tunken, bevor sie zu ihren Themen unten erwartet werden. Den ehemaligen Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner. Den liberalen Anwalt Helmut Naujoks, der gleich im Studio Friedman zum Thema Steuern gegen den Linken-Politiker Michael Schlecht antritt. Den russischen Journalisten Ivan Radionov, der in seinen drei unzensierten Sendeminuten mächtig polarisiert. Bewundernswert die logistische Jonglierleistung von Gesprächsmanager Bernhard Lauster, der all die Gäste und Themen planen, leiten und selbst im Stoff sein muss. Pamm, pamm, pamm, Dutzende von Personen und Sachverhalten pro Tag. Zwischendrin ist genau bemessen Zeit, mit mir Essen zu gehen. Kurz vor meinem Abflug zum Abflug holt mich ein anderer Reporter noch mal zwecks eines O-Ton für die Sat1 News vor eine Kamera. Ich lästere darüber, dass Nationalspieler Testspiele ungefähr so ernst nehmen wie wir früher die letzte Woche vor den Ferien (Wird gesendet). Außerdem schlage ich Jogi vor, zur Überraschung aller Thomas Broich aus Australien zurückzuholen und die WM mitspielen zu lassen (wird nicht gesendet). Für die Zukunft habe ich eine legére Einladung, immer, wenn ich mal in Berlin bin, vorbeizukommen, um den Fußball zu kommentieren. Oder andere Phänomene. Ich freu mich.

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