Tourtagebuch – 17.05.2017 Anton-Bruckner-Gymnasium, Straubing

Vor dem Tor zum Schulhof schlendern ein paar Oberstufenschüler entlang der abgestellten Fahrräder und Motorroller und sehen aus wie echte Erwachsene. Sie tragen schwarze Hosen, schwarze Hemden und Lackschuhe. Hart hebt ihr Anblick den Unterschied zu all den Männern hervor, die sich in diesen Tagen durch ihr Äußeres selber zu Männchen machen. Jogginghosen, übergroße Baseballkappen, Astronautenschuhe oder, bei den Hipstern, Fusselbärte auf der Oberlippe, Daniel-Hartwich-Gedächtnisbrillen und zum Dutt gebundene Haare. Die schwarz behemdeten Schüler des Bruckner-Gymnasiums gehören zur hauseigenen Big Band, die am Mittag zu einem Festakt im Foyer aufspielen wird. Das Gymnasium beheimatet satte 1.000 Schülerinnen und Schüler. Als wir das Gebäude betreten, ist gerade große Pause und der Geräuschpegel im Gebäudekomplex  unbeschreiblich. Hunderte ineinander verschachtelte Dialoge erzeugen ein Gebrumme und Gesumme, als würde man von einer Millionen Hornissen umschwirrt.

Vor rund 120 neugierigen Gesichtern in einem schmalen, überschaubaren Raum lege ich den Schwerpunkt diesmal auf Finn remixed und die Anekdoten von der sturmfreien Bude. Es ist eine Wonne, die Slapstickszenen mit detaillierten Erklärungen zu kombinieren, wieso Finn es gelingt, selbst die eigenen Eltern kreativ hinters Licht zu führen. Method Acting für Beginner. Ich lobe die Schule im Besonderen und Bayern im Allgemeinen, bis die Kids und Lehrer rot werden. An den Wänden neben dem Lehrerzimmer hängen fantastische Fotos von Schülerinnen und Schülern mit ihren jeweiligen Instrumenten. Porträts, die das Niveau von Bookletbildern für fertige Alben haben. Die Theke der Schulbibliothek zieren kunstfertige Objekte aus alten, aussortierten Büchern, zu kleinen Skulpturen zurechtgeschnitten.

Nach getaner Arbeit streife ich durch das mir vertraut gewordene Straubing und bewundere erneut die Stimmung der Stadt. Wie sich die alten Gebäude ans Kopfsteinpflaster schmiegen und die Donau entlang der Stadtbibliothek ihre sanfte Kurve fließt. Wie sich der Stadtturm stolz über das menschliche Gewusel erhebt und noch in jeder kleinen Gasse ein Weinhändler, ein Syrienladen (Schild: “Ab Mitte Juni”) oder ein mikroskopisch kleines Vereinslokal der Bayern-München-Ultras “Schickeria” in den schmalen Häusern Platz findet. Es erinnert an Prag, es erinnert an Salzburg, das Dreiländereck hinterlässt Spuren.

Sich einfach in diese Stimmung fallen zu lassen, fällt mir allerdings schwer. Zu stark biegt sich der Schreibtisch im <a href=”https://www.hotel-seethaler.de/”>Hotel Seethaler</a> unter mitgebrachter Arbeit. Das Zimmer Nummer 14 ist Legende im Kulturleben der Stadt. “Im Grunde hat schon jeder Jugendbuchautor des Landes in diesem Bett geschlafen”, lacht Claudia Kamchen, und ich denke mir: ‘… und in der Badewanne gelegen.’ Die ist dankenswerterweise vorhanden … und schafft es besser als die sonnige, gut bevölkerte Altstadt, mich eine Weile vom Schreibtisch weg und in die ruhigen Fluten zu locken.

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