Tourtagebuch Reloaded – 27.02.2009 Essen, Handelsvertretung Hagenkord

Ein Showcase. So nennt man das, was Stephan Hagenkord heute Abend mit mir in seinem Ausstellungsraum veranstaltet, in der Musikbranche. Showcase bedeutet: Nur geladene Gäste und ein paar verloste Karten, intime Atmosphäre, der Boss spielt heute nur für Sie auf der Akustischen. Ich spiele auch unplugged, ohne Beamer und Multimedia, dafür sitzend in einer Badewanne, denn Stephan ist Anbieter gehobener Bademöbel. Die Wanne ist leer, weil es im Ausstellungsraum keinen Abfluss gibt, genau wie im Keller der Wiemelhauser Straße, in dem Sebastians Wohnung simuliert wurde. Der Westen ist da und filmt, vier bis fünf weitere Kameras sind auf mich gerichtet, man könnte fast meinen, ich sei prominent. Das ist wichtig für Karin Bürgener von Smag, die über dieses Event in dem glitzernden Lifestyle-Magazin berichtet, dafür allerdings neben meiner Wenigkeit im Bademantel weitere Fotos von Gästen benötigt, die man als mehr oder minder glamourös bezeichnen könnte. Leichter gesagt als getan. Mit netten Worten und sanfter Bestechung zerre ich für sie meinen Kumpel und geliebten Cartoonisten Michael Holtschulte, Rough-Trade-PR-Manager Andrew Quartermain sowie den Kabarettisten und Berufsverrückten Dr. Welf Häger vor die Kamera und gehe nach der Show noch mit guten Freunden einen trinken, die rund um die Badewanne drapiert in mir eine merkwürdige Mischung aus Geborgensein und beim FKK-Erwischt-Werden erzeugten, obschon ich freilich nicht nackt, sondern von einem warmen Bademantel umhüllt war wie einst der Dude oder heute Dittsche. Die Show selbst greift weit hinein in abgelegene Hui-Felder, die mir und dem Publikum große Freude bereiten. Wenig MURP!, etwas Hartmut und ich und dafür in voller Länge die Homepage-Geschichten “Die unbewegte Frau”, “ZüRUB in die zukunft II” (Live-Premiere!) sowie “Bärenklau” (erst das zweite Mal überhaupt live gelesen). Welf Häger schmeißt sich hinter mir am Kopfende der Wanne bei jedem zweiten Satz derart enthusiastisch mit, dass es sich anfühlt, als werde er jeden Moment die Wanne aus den Angeln reißen und mich darin schütteln wie ein großer Laborant seine geniale kleine Maus. Die zweite Wannenlesung meiner Laufbahn (nach einer Open-Air-Wanne im Jahre 2005 auf der Terrasse der Kneipe “Tante Ju” in meiner Heimatstadt Wesel) war jedenfalls für alle Beteiligten ein großes Vergnügen und ist in Auszügen bald auf derwesten.de als Video zu bewundern. Das nächste Mal ist die Wanne voll. Versprochen.

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