Tourtagebuch Reloaded – 20.10.2006 Köln, Kulturbunker

Die Mama meiner Süßen ist dabei, allein daher kann der Abend nur gut werden. Ich habe sie vorhin in Weidenpesch abgeholt und bei Cappuchino und dem ersten Christstollen des Jahres über Dinge gesprochen, die mich aufregen. Die Waffenmesse zum Beispiel, über die im aktuellen Greenpeace-Heft geschrieben wird oder die Verschwörungstheoretiker der BüSo. Während der Lesung rege ich mich wieder darüber auf, genauso wie am Küchentisch der Mama, und sie ist begeistert deswegen. Natürlich sei das und authentisch und obschon diese Worte poptheoretisch verboten sind, stimmt das halt. Der Kulturbunker hat ein Glascafé, die WG beamt diesmal auf eine kleine, mit Holzgestell versehene, Business-Leinwand; die CD-Player stehen direkt neben mir. Ich bin der Kapitän und habe Ton, Bild und Wort in der Hand. Diesen Luxus hatte ich bisher noch nicht. Im Flur nimmt mir die örtliche Buchhandlung Verkaufsarbeit ab, in der ersten Reihe sitzt ein junger Mann, der schon im Freibeuter dabei war. Ich fühle mich wohl und erzähle viel, draußen spielen ein paar Kinder Fußball und wissen nicht, was sie verpassen. Gegen Mitternacht bringe ich die Mama nach Hause und rufe vor der Einfahrt von Trini Trimpops Penthouse meine Süße an; dann gurke ich durch die Nacht und werde 125 Kilometer bei der Ausfahrt unseres Dorfes so müde, dass ich einen Sekundenschlaf habe und auf die Wiese donnere. Vor einem Busch komme ich zum Stehen. Ein halbnackter, zerzauster Mann kommt heraus, schlägt sich ein paar Zweige vom Leib und beschwert sich über die Störung. Dann erkennt er mich, schüttelt den Kopf und sagt: “Früher hast du noch schön dunkel geschrieben, da hat man dich noch erkannt.” Ich lege den Rückwärtsgang ein und sage: “Schlaf endlich mal aus, dann siehst du auch im Hellen.” Daheim plaudern wir noch bis 3 Uhr, meine Süße und die Katzen. Das Fenster ist auf.

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