Tourtagebuch Reloaded – 28.04.2010 Bochum, Wiemelhauser Straße 418

“Hat ihr Kollege da irgendeinen Presseausweis oder so was?” Der Mann an der Bar fragt das auf eine sehr bedrohliche Weise. Sein Blick ist skeptisch und bitter und grau. “Nein”, sage ich und erkläre, für was wir hier drehen. Ruhrpott, Hartmut, Wiemelhausen früher und Wiemelhausen heute. “Und dann filmen Sie einfach hier die Gebäude?”, sagt der Graubittere.
“Gebäude darf man immer filmen, von außen”, sage ich.
“Nein”, sagt er und schüttelt den Kopf.
“Doch”, sage ich.
“Sie dürfen mich nicht filmen, wenn ich hier vor Seier stehe.”
“Nein, Personen nicht, aber Seier schon.”
Der Mann macht nur “hm”, so kurz und finster, er könnte mir nun auch einen Spitzdolch in den Unterleib rammen und während ich vor ihm niedersinke unbeteiligt über mich hinweg auf die Pokale schauen, dabei aber konzentriert nachbohren.

Mögen die Gäste der Gaststätte Seier auch heute finster sein, der Chef lässt uns filmen, wie wir Pommes Spezial bestellen, die Pracht Wiemelhausens. Jens Mayer und ich besuchen ehemalige Nachbarn, drehen Stimmungsbilder des Stadtteils und verbringen ein paar schöne Stunden im Garten der Familie Hubert, die heute das Gelände besitzt, auf dem früher das reale Haus mit meiner WG und somit der Hui-WG aus den Romanen stand. Familie Hubert hat aus der Wildnis einen sensationellen Garten gemacht, so idyllisch und ausgewogen wie das, was am Ende von Voll beschäftigt die Landschaftsgärtner zaubern. Familie Hubert hat die Hausnummer und die Küchenlampe aus den Trümmern gerettet, die jetzt als Artefakte in der Vitrine der Hartmut-und-ich-Ausstellung stehen und Familie Hubert hat Videomaterial vom Abriss des Hauses, aus dem Jens zusammen mit dem Stoff von heute eine 15-minütige Dokumentation der Extraklasse bauen wird, die man im Keller der Ausstellungs-WG anschauen kann.

Auf der Rückfahrt habe ich nostalgische und gegenwartsenthusiastische Gefühle zugleich. Wir bauen die Hui-WG als Kulisse wieder auf, das ist genau die richtige Methode, es ist ein Zurück und zugleich ein gigantisches nach vorn. Es ist noch viel zu tun…

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