Tourtagebuch Reloaded – 08.05.2010 Oelde, Kulturgut Haus Nottbeck

“Sag mal, hast du eine andere andere Uhr als wir?”, ruft Burkhard, als ich erst um 15:45 Uhr am Kulturgut ankomme, wo ich schon von morgens an beim Aufbau des Barfußpfades helfen wollte. Wohzimmer, Keller, Rasthof und Barfußpfad sind unsere großen Stationen bei “Ab ins Buch!” und ich war bis eben noch unterwegs, Requisiten besorgen und “Erledigungen” machen, diese zeitfressendste aller Tätigkeiten, “Erledigungen”, wenn ich das Wort schon höre, es widerspricht sich selbst, denn in der Zeit, in der man “Erledigungen” macht, könnte man 15 Seiten Literatur verfassen, steht aber nur an roten Ampeln und hört von Verkäufern: “Haben wir nicht!” Vor einer halben Stunde war ich noch bei Poco in Ahlen, um ein Highboard zu holen, das als unsere “Theke” im MURP!-Rasthof fungiert, und als ich an der Info des Möbelmarktes stand, schrie meine innere Stimme: “Geh wieder raus!!!” Ich wusste zwar nicht warum, folgte ihr aber und fand mein Auto mit offenen Türen vor. Also nicht bloß nicht abgeschlossen, sondern offen stehend, wie zwei Flügel, auf dem Beifahrersitz einladend meine Geldbörse und im Kofferraum über 200 PlayStation-Spiele, die erste Fuhre für Hartmuts Wohnzimmerregal. Als ich Burkhard das auf der Obstwiese, wo er und seine Frau Petra, seine Tochter und ihr Freund sowie der Bruder meines Agenten bereits 80% geschafft haben, erzähle, sagt er: “Erst mal durchatmen!” und empfiehlt mir mal wieder eine Entspannungstherapie. Ich hüpfe währenddessen 17 Mal pro Sekunde auf und ab und sage “okay!”

Gegen Abend ist der Pfad komplett hergestellt, malerisch zieht er sich durch die riesige Obstwiese, flache Holzrahmen gefüllt mit Sand, Mulch, feinem und grobem Kies sowie Holzbohlen zum Balancieren, Stege und Stämme. Burkhard und ich weihen ihn ein, es ist traumhaft und die erste echte Entspannung seit Tagen, die Vögel zwitschern und aus dem hohen Gras flattert ein Fasan auf. Auf den Pflöcken am Rand werden bald Infotafeln zu germanischen Göttern kleben, die man beim Barfußwandeln studieren kann, in der “Hörstation” wird das Hörbuch zu Wandelgermanen laufen. Es nimmt Formen an und für einen Moment erfasst mich der Frieden dieses idyllischen Fleckchens Erde. Dann spült ihn die innere Unruhe wieder davon, weg ist er, sobald ich nicht nur an den einen Moment, sondern an das große Ganze denke, das wir hier aufbauen wollen. Hartmut ruft und wir werden folgen, alles wird gut.

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