Tourtagebuch Reloaded – 18.07.2010 Lüdinghausen, Tierfreunde Lüdinghausen

Heute ist der A40-Tag. Dank Hartmut und ich und meiner Tätigkeit an der Ruhr-Uni bin ich Bochumer Prominenter. Ich spiele den Vfl Bochum, wenn ich auf dem Nintendo DS “FIFA 10″ anwerfe. Ich habe einen Roman geschrieben, der auf der Autobahn spielt. Ich kenne Frank Goosen, Ben Redelings und Hennes Bender. Ich müsste auf der gesperrten A40 sein, um an einem der zigtausend Tische der Kulturhauptstadt zu fröhnen. Ich müsste lächeln und frohlocken im Trubel der 3 Millionen Besucher und reagieren auf jeden Input und jedes Projekt und adden müsste ich 2000 Freunde in der Real World, denn ich ich bin Bochum und Bochum ist ich. Bin ich?
Bin ich nicht.
Ich bin wo?
Ich bin auf einer Wiese in Lüdinghausen unter einem Festzelt-Pavillon, umringt von Hunden und Katzen, und baue gemeinsam mit meinem Autorenkollegen Carsten Wunn sowie meinem treuen musikalischen Begleiter Alex Rosin von Alex Amsterdam eine kleine Anlage auf, die ich in meinem Heimatdorf Herbern vom örtlichen Gitarrenhändler Ronge geliehen habe. Die Mini-P.A. habe ich bereits im Dezember bei der Advents-Veranstaltung vor der eigenen Haustür verwendet, benötigte dort allerdings die Hilfe des Nachbarsohnes, um endlich Ton zu erzeugen. Heute ist das anders. Heute ist mein Tag der Achtsamkeit, denn ich entschied mich gegen einen Auftritt unter 3 Millionen auf der A40 und für diese Benefiz-Veranstaltung vor dem Tierheim der Tierfreunde Lüdinghausen, einfach so auf der grünen Wiese, mit Katzengeschichten aus Hartmut (“Yannick”, “Großer Lärm”) und Katzengeschichten von “Kniesel und ich”, mit Unplugged-Songs von Alex, liebevoll angerichtetem Nudelsalat-Buffet, kalten Drinks und gleich zwei Fotografen, die ihren Job auch “nur” aus Leidenschaft betreiben, Jörg Everding und Eugen Zymner, der mich heute das erste Mal ablichtet. Achtsam baue ich die Anlage auf und begreife die Kanäle und Knöpfe. Ruhig stehe ich eine halbe Stunde vor Beginn auf der leeren Wiese und sage mir innerlich und den anderen äußerlich: “Ganz locker bleiben. Wir sind hier, wir haben was Gutes zu bieten, das Publikum wird schon kommen!” Und siehe da, es kommt! Zu Beginn sind die Reihen solide gefüllt, 50 Gäste bei uns gegen 3 Millionen beim A40-Hype und alle hier sind glücklich, denn hier gibt’s Landfrieden und Tiere und gute Songs und fellige Pointen und vor allem: Übersicht. Man genießt jedes Wort, jeden Akkord, jedes Bierchen, jeden Grashalm. Ich bin froh, hier zu sein und nicht auf der A40 und alle Anwesenden auch. Fast drei Stunden Programm vergehen wie ein Katzensprung und als die Gäste gefahren sind und das letzte Mikrofonkabel gewickelt wird, sind die Tierfreunde selbst schon längst in der Babykatzen-Station, die zart piepsenden Wesen päppeln. Ich bin Bochumer, ja, durchaus, aber ich bin auch Münsterländer geworden… und an der Uni, da zog’s mich in die grünen Ritzen, wann immer es nur ging. Mit Carsten Wunn will ich in Zukunft wieder öfter gemeinsam lesen… Yannick und Kniesel, das passt sehr gut. Auf der grünen Wiese, und anderswo.

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