Tourtagebuch Reloaded – 21.10.2006 Marburg, KFZ

Ein Tour-Höhepunkt. Die KFZ-Menschen warben einen Abend vorher auf der Uni-Party und der Laden ist voll mit Menschen, die an den richtigen Stellen lachen und rundweg sympathisch und zudem herrlich heterogen sind. Das KFZ ist eine ehemalige Schmiede und hat Ärger mit den Nachbarn. Als ich ankomme und auf dem Kieselparkplatz parke, macht mir ein langhaariger Altrock-Nachbar noch freundlich Platz; als ich um 23:30 meine Süße anrufe und euphorisch vom Auftritt berichte, rülpst er mich aus dem Fenster an wie der letzte Ruhestörungsmeldungsspießer. Wahrscheinlich hört er die “alten AC/DC”, hat eine vollkommen veraschte Tastatur und ist mit seiner Entwicklung unzufrieden. Im KFZ gibt es ein echtes Backstage im Kellergewölbe mit Buffet und TV plus DVD-Player. Ich mache statt der Sportschau einfach nur über den Player The Draft an, knabbere Brötchen und blättere im Gästebuch. Die Haustechnik macht mir ein schönes Bühnenbild mit blau-rotem Licht und guter Beamer-Qualität, die Leute können wieder mit mir durch die WG laufen und meine Lieblingsgäste sind VISIONS-Kollege Steffen “Eisi” Eisentraut samt Freundin und Bruder sowie die tollen Ashes Of Pompeii, die Emocore noch schön machen können. Die Lesung macht tierischen Spaß, jedes Wort, jede spontane Anekdote, ich lerne Timing, ich hetzte nicht mehr. Nach der Vorstellung freue ich mich auf mein Hotel, den Waldecker Hof. Der hat uralte, braune Teppiche und Tapeten wie bei Resident Evil sowie eine Wanne. Gruselig-heimelig. Im Hotel angekommen, ist das Gruseligste aber, dass kein Wasser aus dem Hahn kommt, was ich noch nie erlebt habe. Ich zerre, ich hebele, ich versuche, die Logik dieser Verklemmung zu verstehen, aber es kommt einfach nichts. Der Empfang ist seit 22:30 Uhr schon nicht mehr besetzt, das Frühstück am nächsten Morgen hat weiche Brötchen und Zutaten von Plus. Ist man schon eine arrogante Allüren-Sau, wenn man das einen Schuss in den Ofen nennt? Die Rückfahrt am nächsten Tag genieße ich sehr, denn die A45 ist reine Idylle, besonders wenn die Farben des goldenen Oktobers durch Wald und Berge des Sauer- und Siegerlandes fluten. Auf einem Parkplatz halte ich an, räume den Kofferraum auf und treffe Bob Ross, der die Hügel abmalt. Er sagt mit seiner unnachahmlich warmen Stimme: “There is no right or wrong. As long as it makes you happy, it is good.” Ich umarme ihn.

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