Tourtagebuch Reloaded – 29.05.2010 Oelde, Kulturgut Haus Nottbeck (mit Thomas Hackenberg & Michael Nast)

Die Hartmut-Ausstellung ist bereits neun Tage alt, als die erste echte Veranstaltung ansteht. Eine Lesung unter dem Motto “Zu Gast in Feindesland”. Der wunderbare Thomas Hackenberg moderiert, weil ich ihn sehr schätze, seit er mich bei meiner Lesung auf der LitCologne wie auf Wolken durch meine Show geführt hat. Der Rowohlt-Kollege Michael Nast vertritt mit Auszügen aus seinem Blogger-Kult-Buch Der bessere Berliner die positive Sicht des urbanen Daseins, während ich Berlin als Feindesland zeichne. Wie bei Thomas Hackenberg zu erwarten, arrangiert er einen ungezwungenes, sehr amüsantes Gespräch zwischen den Lesestellen. Wie Michael und ich über die Großstadt und das moderne Leben reden – er als verschmitzter Großstädter 2.0 und ich als starrsinniges Retro-Landei – das ist die eigentliche Würze für die rund 50 Zuschauer und Innen, unter denen mir wieder der nette, ältere Redakteur der örtlichen Zeitung “Die Glocke” auffällt, für den das alles Neuland ist, der sich aber seit dem Eröffnungstag herrlich neugierig zeigt. Vor der Show haben Walter Gödden und ich das Publikum eine halbe Stunde lang exklusiv herumgeführt und ihnen Sinn und Konzept von Wohnzimmer, Bombenkeller, Kunstrasthof und Barfußpfad erklärt. Im Wohnzimmer plärrte derweil in Dauerschleife das Spiel “Ape Escape” auf der PlayStation vor sich hin, eine Mini-Anspielung für ganz genaue Kenner, denn dieser Titel gehört nicht nur zu Hartmuts großer Sammlung auf der Homepage, sondern kommt sogar aktiv in einem Roman vor. “Ab ins Buch!” ist eine Spielwiese und macht es den Besuchern auch nur halb so viel Freude, sich darin zu bewegen wie mir, ist das Ziel schon erreicht. Um Mitternacht habe ich Geburtstag, aber es bleibt geheim und die wenigen engen Kollegen wissen, dass ich zu einer Party keine Kraft habe. Auf der Rückfahrt leuchtet mir auf dem Beifahrersitz vom Handy eine Glückwünsch-SMS in die Nacht. Ich lächele. Das reicht mir. Im Rückspiegel glaube ich für einen Moment Hartmut zu sehen, wie er mir liebevoll zunickt. Aber ich sehe viel, wenn die Nacht lang ist.

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