Tourtagebuch Reloaded – 30.09.2010 Osnabrück, Café Spitzboden

Das Café Spitzboden ist das Dachgeschoss der Lagerhalle in Osnabrück. Alte Bohlen, kleine Bar, süßes Backstage mit Spiegel und reichhaltigem Kaltbuffet. Hier baue ich heute Abend das erste Mal Hartmuts Garagenverkauf als Trödeltisch neben dem Büchertisch auf. VHS-Videos, Playstationspiele und Artefakte aus der WG. Ich nenne es “Katzentisch”, weil die Erlöse komplett an die Katzenkinder-Nothilfe in Hamm gehen. Im Erdgeschoss spielen heute drei klassische Heavy Metal-Bands, aber während der Lesung oben hört man davon zu meinem Erstaunen nichts, aber auch gar nichts! Nicht mal Vibrationen des Bodens! Im ersten Stock zwischen den Etagen sagt mir Sylvia am Telefon wie vor jedem Auftritt, zu dem ich alleine reise, wie ich heute Abend das Haus rocken soll. Es tut gut, das zu hören, den Blick auf alten S/W-Fotos von Konzerten in Osnabrück, Jazz und Kultur. Ich rocke, spiele, lese szenisch und bin ein wenig irritiert von einer Lokaljournalistin, die auch während der Lesung am Tisch in der ersten Reihe ihren eigenen Bedürfnissen gut hörbar Luft macht und zu ihrer Freundin sagt: “Ach Gottchen, jetzt kommt noch ein Abschnitt, dabei habe ich letzte Nacht nur vier Stunden geschlafen!” Ihr gefällt, was ich mache, aber sie “will nur noch ins Bett!” und alle sollen es wissen. Vom Trödeltisch verkaufe ich gar nichts, weil ich die Retro-Liebe des Publikums unterschätze. Heute schaffe ich den Weg heim ohne Hotel. Auf den lezten Metern erwischt mich fast der Sekundenschlaf. Aber Heim, Weib und Katz sind es wert, denn auch ich “will nur noch ins Bett”.

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