Tourtagebuch Reloaded – 03.11.2006 Köln, Eins Live Klubbing (Lauschangriff)

Der Blogger als Typus ist ja das Sinnbild für’s Phänomen “Web 2.0″, das große Mitmachnetz. Er ist der Fanziner der digitalen Zeit, der Privat-Feuilletonist, der Essay-Schreiber ohne Mittelsmann. Und noch mehr als auf dem Markt der Druckerzeugnisse gibt es in der Bloggerszene viel Ausschuss und wenige Perlen. Eine wahre Perle unter den Bloggern ist Alexander Gerber mit seinem Blog In Recensio. Der Mann hat Geschmack und kann schreiben, und das sage ich nicht nur, weil er eine sehr tolle Rezension zu Voll beschäftigt verfasst hat.

Er war jedenfalls zu Gast bei der Studiolesung zu Eins Live Klubbing, bei der ja im Café auch rund 100 Gäste live dabei sind, und das hat mich gefreut. Auch Sylvias Mama Dorit war wieder dabei und wenn das der Fall ist, ist der Abend ohnehin immer gerettet. Nervös bin ich nur ein wenig, erst verlaufen wir uns im Parkhaus unter dem Mediapark, dann muss ich später noch mal runter um die Flugblätter zur Musiklesung von mir mit Quercus Renatus und Janis Elko am kommenden Mittwoch, den 8.11., im Kölner Stereo Wonderland, zu holen. Auf dem Rückweg strömen schon mit mir wahre Trauben von Menschen in das Gebäude, und die kommen wegen mir. Das ist immer noch ein komisches Gefühl. Die Sendung selbst und das Vorgeplänkel sind immer ein Genuss, ein großer Spaß, wie schon im letzten Jahr, denn Moderator Mike Litt ist ein guter Mann und schafft die Balance zwischen Heimeligkeit und ein wenig nötiger Provokation. So kontert er meine Bemerkung, dass Sylvia an meinen Büchern und der ganzen Hui-Welt einen Riesenanteil hat und meine beste, strengste Lektorin ist, mit einem neckischen “wie streng ist sie denn?”. Unsere Plaudereien über Lottogewinne, fruchtlose, zu bewahrende Bildung und Small Talk macht einfach nur unglaublich Spaß, weil es so voll ist und die Leute sich herrlich weglachen, ich aber dennoch auch erläutern kann, was die Hui-Welt in all ihrer Witzigkeit soll. Es ist besser als letztes Jahr, wer jemals gesagt hat, dass ein wenig Routine die Leidenschaft rausnimmt, sollte erst mal einen Teller Nudeln mit Steinpilzen essen. Routine schafft die Grundlage dafür, in aller Ruhe freestylen zu können und ist rundum toll.

Nach der Lesung rufe ich Sylvia aus dem Studio an, während ein Radiomann Dorit die Technik und Sendeabläufe erläutert und Domian schon für seine Sendung bereit sitzt. Außerdem stehen die Menschen für Autogramme Schlange, was mich ehrlich gesagt immer noch innerlich verlegen macht. Hey, ich habe einen 12-Tage-Bart, bin gerade aus der Redaktion gefallen und an meinem Renault geht die Intervall-Funktion der Scheibenwischer nicht mehr, so dass ich bei ein bisschen Regen per Hand herumklicken muss, bis mir die letzten Haare ausfallen.

Es ist schön, in so einen Sender zurückzukehren.
Können wir morgen noch mal?

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