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Wiemelhauser
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 12:50    Titel: Favoriten Antworten mit Zitat
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Bei Musik habe ich mir die Wetten schon abgewöhnt, da gibt es ja noch viel mehr zu wissen. Nachdem im Freundeskreis Hornbys High Fidelity verschlungen wurde, gab es da einiges zu verlieren...
Apropos: Was ich bei myspace sah: Tokio Hotel und Killerpilze bei den Favoriten von Caterina und Susanne(?) ist nicht zufällig ironisch gebrochen, oder? Mein Trash-Favorit ist ja eindeutig Alexander Klaws. Wenn mein winamp den herbeishufflet, lache ich mich jedes Mal kaputt.
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Caterina
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 12:55    Titel: Antworten mit Zitat
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Hi Wiemelhauser!

Du hast Dich verlesen. Susanne mag es deutlich härter. Hartmut schätzt die Killerpilze und ich Tokio Hotel (neben vielen anderen) und zwar völllig ohne Ironie, dafür aber mit gutem Grund.

Caterina kopfhoerer
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Pablo Picasso
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Wiemelhauser
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 12:56    Titel: Antworten mit Zitat
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Darf ich den Grund erfahren? Susannes Musikgeschmack ist mir sehr sympathisch, was mich interessieren würde, ob sie Sugarplum Fairy mag, oder sie als billige Kopie empfindet. Ich gehe einfach mal off-topic...
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Hartmut
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 12:57    Titel: Killerpilze Antworten mit Zitat
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Als Punk sich aus dem unnachgiebigen, anarchistischen Ding, das er mal war, zum Pop- und Melodypunk der 90er entwickelte, gefiel mir das zwar ganz gut, aber mich nervte, dass die Leute immer noch die gleichen Maßstäbe an NOFX, Green Day oder auch die Ärzte in Deutschland anlegten, die sie früher an Crass, Dead Kennedys oder Clash angelegt hatten. Der neue Punk war Popmusik, weil er sich an alle richtete und keine Angst hatte, total unterhaltend und ein gutes Geschäft zu sein. Die Killerpilze gehen 100%ig aus dieser Strömung hervor und machen durch ihren Breitenerfolg als Teeniehelden endlich die Produkthaftigkeit dieses Pop-Punks überdeutlich, was ich positiv meine. Indem sie als Teenager mit atemberaubenden handwerklichen Fähigkeiten die Musik spielen, die sie selbst geprägt hat, dazu einfache Texte über Teenagerprobleme schreiben, an der nicht-komplexen Gut/Böse-Kampagne "Kein Bock auf Nazis" teilnehmen und das Spiel der Musikindustrie als Marke mitspielen, verhalten sie sich gerade um Längen "authentischer" als ihre ganzen "erwachsenen" Kollegen, die dümmlichen Antiamerikanismus zu in jeder Hinsicht schlechten Songs raushauen und nur noch von der moralischen Selbstgerechtigkeit leben, "unabhängig" zu veröffentlichen.

Hartmut
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Wiemelhauser
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 12:59    Titel: Antworten mit Zitat
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Das kann ich nachvollziehen. Da ich aber sowieso keinen "Melodypunk" mag (außer Dookie und Smash, aber die hat jeder in meinem Alter rauf und runter gehört), finde ich die Musik der Killerpilze nicht berauschend.

Dass man aber von Idealisten-Musik weg muss, sehe ich genauso. Wenn man Geld verdienen kann, ist es fahrlässig das nicht zu tun. Ein immer wieder amüsantes Beispiel ist die gewiss nicht schlechte Mediengruppe Telekommander, die im gleichen Satz den Kommerz anprangert und Werbung für ihr Merchandising macht.
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Susanne
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:01    Titel: Antworten mit Zitat
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Zweifellos merkt man schon die gemeinsamen Wurzeln von Mando Diao und Sugarplum Fairy, aber das ist nicht nur verständlich, sondern auch völlig o.k. Man merkt zudem aber auch deutlich den individuellen Unterschied. Mando Diao ist mir manchmal sogar zu weich und depressiv, während Sugarplum Fairy rotziger singen, schneller spielen und einen deutlich fröhlicheren Touch haben.
Von Kopie, gar von billiger Kopie würde ich also niemals sprechen bei den beiden Gruppen, wohl aber von den eindeutig gemeinsamen Wurzeln. Hartmut sagt immer, dass jeder jeden beeinflusst - innerhalb einer Familie gilt das ganz besonders. Susanne
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Caterina
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:09    Titel: Laaaaaaaaaaaaaaange Antwort Antworten mit Zitat
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Hi Wiemelhauser! Klar, darfst Du fragen, welchen Grund ich habe, Tokio-Hotel zu mögen. Ich antworte sogar! wink

Mir ist es egal, wie alt ein Mensch ist oder wie dieser Mensch aussieht, unter Umständen sogar welchen Charakter er hat, wenn mich das Werk fasziniert.

Es gab und gibt viele hochkarätige Künstler in jedem Bereich, die schon mit ihrer Berufung begonnen haben, als sie noch in die Windeln schissen. Das alleine sagt nun wahrlich nichts über die Qualität aus.
Vom ästhetischen Eindruck her erzeugen die Jungs von Tokio Hotel nicht gerade eine einheitliche Linie und Teile davon finde ich wahrlich schauderhaft. Wäre die Gruppe gecastet worden, wäre die Bedienung der unterschiedlichen Vorlieben in der Zielgruppe schon pervers zu nennen. Aber, und das ist gerade in diesem Punkt entscheidend: sie wurden nicht gecastet und niemand hat ihnen gesagt, dass sie Modellpüppchen für die kleinen kaufenden Mädchen spielen sollen. Die Jungs selbst entschieden sich lange Jahre vor dem Erfolg für ihr Outfit. Die Magerkeit von Bill halte ich aus diversen Gründen für fragwürdig, aber auch hier gilt: Welches Erscheinungsbild sie letztlich verkörpern, ist ihre Sache, denn faktisch hat das nichts mit ihrer Musik zu tun. Doch die Musik ist hier das tatsächliche Werk, wenn auch wahrscheinlich nicht ausschließlich für die Beliebtheit verantwortlich. Über deren Charakter kann ich nicht viel sagen, weil mich das ganz bewußt nicht interessiert. Musik wird mit den Emotionen und mit den Ereignissen belegt, die man selbst fühlt und erlebt - und nicht mit dem, was der Künstler gefühlt und erlebt hat, als er die Musik verfaßte. Sicherlich schwingt das mit, aber für die persönliche Einordnung sind die eigenen Eindrücke erheblich wichtiger. Die Wechselbeziehung zwischen Werk und Konsument kann extrem intensiv werden. So intensiv, dass man sagen kann, es entsteht mit der Wahrnehmung ein neues, ein eigenes Kunstwerk, das nur noch rudimentär etwas mit dem eigentlichen Urheber zu tun hat. Das ist auch o.k., verleitet aber zu glauben, dass der Künstler genau so denkt und fühlt wie man selbst, obgleich es sich hier nur um die Verbindung der eigenen Persönlichkeit (als Kunstkonsument) mit dem Werk handelt - und nicht mit dem Künstler. Auch wenn der Künstler sein Werk erschafft, so erschafft er doch nicht meine persönliche Rezeption seines Werkes. In logischer Folge dazu interessiert mich auch nur rudimentär, wie die Jungs von Tokio Hotel "wirklich" sind. Und somit gehen mir auch Stories in Bravo und Co. völlig am Hintern vorbei. Letztlich finde ich auch die Bühnenshow nur bedingt wichtig, finde jedoch dass sie absolut professionell, ansprechend und schauspielerisch perfekt inszeniert ist.

Wenn wir diese Aspekte weg lassen, die ja von Mund zu Mund als prima Vorurteil und zur Steilvorlage des Hasses oder zumindest des Spottes dienen, bleibt bei Tokio Hotel das Werk.
Technisch gesehen überzeugt es durch ein sehr gutes Spiel und perfekte Melodien. Das, was da produziert wird, ist eingängig, weil es gut ist, wobei es genug bestens plazierte Ecken und Kanten hat, um bei jedem neuen Song interessant zu bleiben. Sie sind nicht die ersten, die sich in ihrem Genre aufhalten und werden nicht die letzten sein. Sie sind professionell und brauchen sich nicht vor Kollegen zu verstecken, die älter oder mit weniger Teenie-Fans umgeben sind. Es gibt überhaupt keinen Angriffspunkt auf dieser Ebene.
Künstlerisch gesehen überzeugt das Werk durch die Kombination von extrem guten Texten und deren Interpretation. Die Texte sind tiefgründig, lassen viel Spielraum für die eigenen Interpretationen und erzählen trotzdem hervorragend ihre eigenen Geschichten. Diese Geschichten packen, weil in ihrem jeweiligen Mittelpunkt ein gut herausgearbeiteter Konflikt steht, der mitreißend interpretiert wird. Bills gesanglicher Einsatz in ganz erstaunlich vielschichtiger Intonation bringt die Texte auf den Punkt und zieht den Hörer in die Geschichten hinein. Dabei sind die Themen meistens durchaus elementarer Natur.

Nehmen wir mal ein paar Beispiele: Durch den Monsun. Entscheidend sind im Refrain die Stellen "Hinter die Welt, ans Ende der Zeit". Wie wir ja wissen, sind Raum und Zeit laut Kant die aller Wahrnehmung apriori vorgeschalteten Kategorien. Wer "dahinter" oder darüber hinaus will, drückt damit die Sehnsucht nach dem aus, was die Philosophen Ureinheit nennen. Es spielt keine Rolle, ob Bill Kant gelesen hat oder sich dessen bewußt ist. Fakt ist jedoch, dass diese Zeilen besagte Sehnsucht perfekt ausdrücken. Darüber hinaus ist die Liebe laut der Philosophen die einzige Möglichkeit im Diesseits, Ureinheit zu erfahren, in der Vereinigung zweier Menschen aus der neues Leben hervorgehen kann und die somit die Einsamkeit, in der wir uns außerhalb der Ureinheit befinden, zu überbrücken vermag.
Auch in Unendlichkeit wiederholt sich obiges Leitmotiv, erweitert durch eine mitschwingende Todessehnsucht. In Gegen meinen Willen wird deutlich, warum die Kids sich jenseits von "Bill ist ja sooo süß" mit den Liedern identifizieren können. Die Songs handeln von Themen, die relevant sind. Aber auch die Art, wie mit den Themen umgegangen wird, zeigt sich hier sehr schön: es werden Bilder gezeigt, die das Ausmaß der Traurigkeit in solchen Geschichten verdeutlicht. Man kann natürlich sagen "ich bin traurig, dass ihr euch scheiden lasst", aber wenn dazu noch kommt "Eure Namen umbenennen", dann hat das eine besondere Qualität, mit der die Intensität des Risses durch die Familie besonders deutlich wird. Und in Lass und hier raus grenzen sich Tokio Hotel präventiv von gecasteten Boybands ab, indem sie aber aus der ich-Perspektive sprechen und somit eine Rolle annehmen - sowas ist alles andere als platt, oder?

Dass sich diese Lieder nicht von crediblen Bands unterscheiden, mögen folgende Zeilen belegen, die ich in einer Textsammlung von Tokio Hotel als angeblichen Text von Zimmer 438 fand:
Das Licht aus den Schalter um
Hier ist das Imperium
In meinem Blick
gibt es kein zurück
Und kein Ende
Dringlichkeit besteht immer
In diesem Zimmer
In den eigenen vier Wänden
Dringlichkeit besteht immer
Alles flimmert
In den eigenen vier Wänden
Wir müssen uns verschwenden
An die Sache die viel größer ist
Als wir verkraften können
Volle Gönnung
Dringlichkeit besteht immer
In diesem Zimmer
Mit den eigenen zwei Händen
Das Licht aus den Schalter um
Hier ist das Imperium
In meinem Blick
gibt es kein zurück
Und kein Ende
Wir müssen blenden
Wir müssen uns verschwenden
An die Sache die viel größer ist
Als wir verkraften können
Volle Gönnung

Ist nicht von ihnen, aber es hätte gut sein können. Na, errätst Du es?

Was bleibt, ist organisch gewachsene Qualität und Professionalität von musikalischen Werken, die den Spott nicht verdienen. So, das war es für heute. Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen.

Caterina Cool
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Wiemelhauser
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:12    Titel: Antworten mit Zitat
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Herzlichen Dank für die sehr ausführliche Antwort.
Ohne zu googlen, behaupte ich einfach, dass der von Dir gedruckte Text von Blumfeld oder Tocotronic (von denen aber eines der neueren Alben) ist.
In einigen Punkten gebe ich Dir Recht, man soll mit Sicherheit nicht alles verteufeln oder auch nur ablehnen, was kommerziellen Teenie-Erfolg hat. Allerdings läuft mir Deine Argumentation ein bisschen zu sehr in die Richtung, dass die Jungs von Tokio Hotel ganz anders sind, als sie dargestellt werden und sich auch selbst darstellen. Wer auf den Teeniestar-Zug aufspringt, darf sich über einen Imageverlust nicht wundern. natürlich müssen die Jungs ihr Publikum bedienen, aber sie müssen dann auch damit rechnen, dass die Klischees, die solch ein Publikum hervorruft, auf sie zurückfallen. Was das Auftreten der Band angeht, finde ich dass der Leadsänger Bill immer mehr zu einem perversen Barbiepüppchen wird, das mich stark an Liz Taylor oder Cher erinnert. In dem Alter müssten Eltern oder andere Verantwortliche der totalen Metamorphose zu einer Kunstfigur eigentlich einen Riegel vorschieben und den armen Kerl vor seiner neuen artifiziellen Identität schützen. Auch finde ich, dass man nie Musik und Auftreten völlig getrennt voneinander beobachten sollte. Es stimmt zwar, dass die Musik nichts dafür kann, wenn sie von schlechten Menschen gemacht wird, aber irgendwie bleibt das Werk doch immer mit dem Künstler verbunden. Dass Du als Künstlerin das anders siehst, ist mir klar, ich als schön passiver Konsument, nehme jedoch immer einen Gesamteindruck mit.
Was die Musik angeht, kann ich nicht so dezidiert urteilen wie Du, da ich nur die paar Sachen aus dem Radio oder TV kenne. Durch den Monsun löst bei mir die Idee aus, dass die Jungs die paar neuen Begriffe, die sie im Erdkundeunterricht gelernt haben, umsetzen wollten. Und dem Lied irgendeine Philosophie zu unterstellen, halte ich für übertrieben. Da kommt dann bei mir die Einstellung hoch, die ich auch zu Beuys und Konsorten habe: "Auf den Tisch scheißen und zu behaupten, es sei Kunst, kann ich auch."
Abschließend möchte ich noch loswerden, das ich Blumfeld und die neuen Tocotronic-Sachen auch für inhaltsleeres Geschwurbel halte, das mir etwa so nahegeht, wie die Sachen von Tokio Hotel.
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Wiemelhauser
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:14    Titel: Sugarplum Fairy Antworten mit Zitat
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Bei Sugarplum Fairy dachte ich eher an eine Oasis-Kopie.

Sweet Jackie = Whatever
Rock 'n roll tragedy = Some might say
When I'm going home = Champagne
Supernova

Und wer das Live by the sea Oasis-Video gesehen hat, weiß auch, warum der kleine Norén daas Mikro so hält, wie er es hält und wo er sich die Gesten klaut.

Ich finde das allerdings sehr ok, dass der olle Gallagher mal mit seinen eigenen Methoden angegangen wird.
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Susanne
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:19    Titel: Antworten mit Zitat
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Hi Wiemelhauser!

Zitat:
Bei Sugarplum Fairy dachte ich eher an eine Oasis-Kopie.


Wie, echt jetzt? Das kann ich gar nicht verstehen! Auch mit dem Songvergleich, den du hier aufgemacht hast, komm ich so nicht klar. Ich finde beide total individuell. Aber wer weiß, vielleicht mögen Sugerplum Fairy ja Oasis sehr. Ist ja normal, dass man sich gegenseitig beeinflußt und dann auch gleich Mimik und Gestik mit übernimmt - dadurch kann sich ja dann auch mal das ein oder andere Riff oder auch so eine Mikro-Gestik ähneln. Ich nehm das jetzt aber nicht so deutlich wie du wahr.
Ist aber interessant, wie du das siehst.

Aber hier hab ich noch eine Kleinigkeit: das Lied von Sugarplum Fairy heißt "When I'm coming home". "When I'm going home" gibt's von Ten Years After und hört sich gaaaaaaaaaaanz anders an. 040

Susanne
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Caterina
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:28    Titel: Antworten mit Zitat
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Hi Wiemelhauser!

Stimmt. Tocotronic. Smile Gut erkannt.

Zitat:

aber irgendwie bleibt das Werk doch immer mit dem Künstler verbunden. Dass Du als Künstlerin das anders siehst, ist mir klar, ich als schön passiver Konsument, nehme jedoch immer einen Gesamteindruck mit.


Es gibt da eher mehrere Strömungen. Die einen wollen tatsächlich hauptsächlich ihre Werke sprechen lassen (in der Musik war und ist Mike Oldfield einer der prominentesten Vertreter, ansonsten schaffen es die meisten, die im Hintergrund bleiben wollen, recht gut, auch dort zu bleiben) und die anderen wollen, dass ihre Werke ganz intensiv mit ihnen als Person oder mit ihnen in ihrer selbst gewählten Rolle als Künstler in Verbindung gebracht werden.
Aber die wenigsten Künstler wollen, dass der Konsument irgendwas über sie denkt und dies dann ungefiltert mit ihrem Werk in Verbindung bringen. Im Zweifel ist es dann doch immer sinnvoller, das Werk ansich wahr zunehmen, als sich irgendwas zusammen zu reimen und dies mit dem Werk möglicherweise unangebracht nah zu verbinden.
Gerade bei der Musik halte ich es eben für fatal zu ignorieren, dass sie sich immer mit den Lebenspositionen und Emotionen des Konsumenten verbindet - und zwar für den Konsumenten stärker als mit der Person des Künstlers. Es geht dabei also weniger um das Erscheinungsbild des Künstlers, sondern eher um dessen Ambitionen beim Erschaffen seines Werkes oder auch um dessen Charakter.

Davon abgesehen gibt es da noch die Rolle, die ein Künstler spielen kann. In der Musik ist das ebenso wenig neu, wie in jeder anderen Kunstsparte oder auch, in einem gemäßigteren Ausmaß im alltäglichen Leben. Jeder von uns hat ein ganzes Repertoire an Rollen und Masken, die wir aufnehmen, wenn wir in unterschiedlichen Situationen sind. Viele davon gehören zur typischen eigenen Persönlichkeit (Also dieses typische "jetzt zeigt er sein wahres Gesicht" ist natürlich Blödsinn. Selbst wenn jemand üblicherweise freundlich ist und dann mal losschimpft, so ist das ja nicht ein Mensch, der sich die ganze Zeit versteckt hat, sondern nur jemand, der mehr freundlich als schimpfend ist.). Aber einige nehmen wir auch ganz bewußt zu bestimmten Ereignissen an. Man verhält sich z.B. auf der Beerdigung der Oma anders als auf einer wilden Fete. Spätestens ab dem Teenie-Alter wird Kleidung bevorzugt, die eine bestimmte Einstellung, bestimmte Musikrichtungen oder einen bestimmten Freundeskreis repräsentieren soll. Später dann ist es oft mehr die Seriosität, die per Kleidung definiert werden muss.

In der Kunst kann die entsprechende Rolle natürlich extremer dargestellt sein. Das ist auch gut so. Wahrscheinlich ging schon seit jeher ein künstlerischer Auftritt (Tänze, Gesänge etc.) mit symbolischen Gegenständen, insbesondere mit Masken und Kostümen einher. Damit wurden und werden die Inhalte verstärkt und/oder vom Künstler abgelenkt. So wie ein Schauspieler sich (meistens) nicht selbst darstellt, sondern so gut wie möglich eine Rolle präsentiert. Auch in der modernen Musik ist das nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist vielleicht nur, dass die Musiker sich auch im Privatleben mit ihren Rollen zu identifizieren haben. Mick Jagger muss im Grunde heute noch wie ein Wilder rumpoppen und Hotelzimmer zertrümmern, ZZTop mussten mit diesen furchtbaren Bärten leben, oder denk mal an Kiss... Es gibt da endlos viele Beispiele. Heute ist die übliche Maske der Bands je nach Musikrichtung Seitenscheitel und Trainingsjacke, out-of-bed-Frisuren, in den Kniekehlen hängende Hosen, Base Caps etc. Man liebt es momentan etwas unauffälliger, wenn man mal von Jungs wie Sido oder die von Lordi und Gwar absieht. Die Gorillaz könnte man hier auch zuordnen - mehr Rolle geht ja fast nicht mehr. Aber auch wenn die Rollen unauffällig sind, so sind es doch Rollen: die als Musiker. Ein schönes Beispiel, obwohl ich den Typ so gar nicht mag: Eminem verwendete in seinen Songtexten Alter Egos und sprach damit zumindest in Rollen. Ein besonders intensiver Nutzer von deutlich sichtbaren Rollen war lange Zeit David Bowie. Keine Platte ohne neue, exzessive Rolle.

Damit wären wir wieder bei Tokio Hotel. Im Stern-Interview, das im Januar erschien, erwähnt Bill, dass er fasziniert von der Optik David Bowies im Labyrinth war und seit er konnte, so rum lief. Offensichtlich gefällt ihm diese Rolle an ihm, so wie sein Bruder gerne mit Dreads rumläuft, ohne ein Rastafari zu sein.
Bills Rolle ist zweifellos recht einträglich, denn letztlich ist seine David-Bowie-Labyrinth-Optik mit einem nicht mehr weg zu diskutierenden Aspekt der derzeitigen Jugendkultur kompatibel: Mangas. Ob es einem passt oder nicht, das ist heute einfach Teil der Kultur der derzeit heranwachsenden Generation und Bill ist wie kein anderer offensichtlich mit leichtem Herzen bereit, diese Rolle zu bedienen.

Mal davon abgesehen, dass ich Rollen, Kleidung und Frisuren als nicht wirklich ausschlaggebend für eine Persönlichkeit empfinde (eben weil jeder von uns situationsbedingt immer wieder mit neuen Rollen im Handumdrehen aufwarten kann), wäre es auch merkwürdig, wenn die Eltern von Bill jetzt, nachdem er seit acht Jahren rumlaufen darf, wie er will, einen Riegel vorschieben sollten. Davon abgesehen: Wer würde sich schon mit 17 reinreden lassen, was für Klamotten man trägt? Und eines ist mal sicher: wenn ein 17-jähriger Kleidung und eine Frisur trägt, die seinen Eltern 100% gefällt, dann stimmt was mit dem 17-jährigen nicht!

All das zeigt wiederum, dass die optische Darstellung letztlich nur Verpackung ist. Die Verpackung gebiert das Image, bzw. im Zweifel auch Vorurteile. Aber das Image ist nur das Image und nicht das Produkt. Von daher kann ich auch weiterhin gut differenzieren zwischen der Verpackung (und ob sie mir gefällt oder nicht) und dem Produkt (und ob dies in mir was berührt oder nicht).

Zitat:
Da kommt dann bei mir die Einstellung hoch, die ich auch zu Beuys und Konsorten habe: "Auf den Tisch scheißen und zu behaupten, es sei Kunst, kann ich auch."


Naja, das Argument ist so abgedroschen wie falsch.
Gerade Beuys ist jemand, der seine Arbeit nie ohne den kunsttheoretischen Hintergrund und nie ohne sein Leben verstanden haben wollte. Er erklärte explizit sein Leben zum Kunstwerk und löste mit seinen Installationen und Aktionen heftige Kontroversen aus - die man nämlich nicht erreicht, wenn man nur einfach auf den Tisch scheißt und sagt, dies sei Kunst. Versuch es mal: Du wirst keine Kontroversen auslösen, sondern höchstens Ärger bei demjenigen, der dabei sein und die Bescherung ggf. wegmachen muss.
Wenn Du schon sagst, dass Du das Werk nicht vom Künstler getrennt wahrnehmen kannst, dann ist genau hier der richtige Platz dafür - aber dazu hilft es nicht, nur zu wissen, wie Beuys aussah....

Bitte denk nicht, dass ich Dich hier irgendwie zwanghaft überzeugen will. Wie Du Musik und die Welt wahrnimmst, ist selbstverständlich alleine Deine Sache. Du hast mich aber nach meinen Gründen gefragt - und wenn ich antworte, dann gründlich. wink
Also bitte auch nicht böse sein, wenn ich Deine Meinung nicht teilen kann. tröst

So long,
Caterina
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:29    Titel: Antworten mit Zitat
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Hi und hallo, Caterina!

Ich habe ja nicht so viel Ahnung von Musik und Kunst und so, und mein Geschmack ist auch ganz anders, aber ich bin sehr beeindruckt wie du das alles erklärt hast und wieviel du so locker aus der Hüfte schütteln kannst.

Großes Kino! Very Happy
Sandy
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Caterina
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:31    Titel: Antworten mit Zitat
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Hallo Ihr Lieben!

Noch einen kleinen Nachschlag zur Diskussion... razz
Vorhin fand ich diesen Ausspruch, angeblich von Brian Molko:
"Gott sei Dank sind wir wütend, sonst hörten wir uns vielleicht an wie Sting, und etwas schlimmeres kann ich mir nicht vorstellen."

Möglicherweise hat er es nicht gesagt, nicht so gesagt, nicht so gemeint oder es war ganz anders. Vielleicht hat er es gesagt und genau so gemeint... Wie auch immer - ginge ich nach den "normalen" Maßstäben, nach denen mit Hilfe des Musikgeschmacks oft so hart polarisiert wird, müsste ich mich nun entscheiden: ist es cooler/besser/sinnvoller/geschmackssicherer Placebo oder Sting zu mögen? 106
Da ich Musik aber nicht durch die Charaktere und Geschmäcker anderer definiere, sondern in erster Linie durch sie selbst und wie ich sie aufnehme, brauche ich diese Entscheidung nicht zu treffen.

Was für eine Erleichterung. Wie schön ist es, das mögen zu dürfen, was man mag. Very Happy

Caterina kopfhoerer
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:33    Titel: Antworten mit Zitat
Dieser Beitrag wurde aus dem alten Forum kopiert. Er wurde ursprünglich erstellt am 13.02.2007 um 10:24 Uhr.


Nach längerem Nachdenken, damit ich einer Künstlerin nicht noch einmal mit einem Primitivargument wie der Beuysaussage komme, möchte ich noch zwei Dinge loswerden.
Erstens: Natürlich geht es hier nicht, darum den anderen von seiner Meinung zu überzeugen. Über Musikgeschmäcker wird man sich nie einig werden. Ich bewundere, welch fundierte Meinung Deinen Vorlieben zugrunde liegt.
Zweitens: Obwohl ich weiß, dass Vorurteile böse sind, kann ich mich zumindest in Bezug auf Musik nicht davon freisprechen. Ich habe eine leicht pauschalisierende Haltung: Du hörst 50 Cent? Deine Hose ist zu groß. Du hörst Tocotronic? Du hast eine Hornbrille, mehrere Trainingsjacken und bist immer am Rande der Depression. (Am Rande ein schönes Zitat: "Lieblingsband: Tocotronic. Hobbys: keine") Du hörst Dimmu Borgir? Du hast lange Haare und liebst es, Bier aus Hörnern zu trinken. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, aber Musik ist heutzutage ein wichtiger Imageträger. Deswegen war ich so verwundert über die bei Caterina und Hartmut genannten Favoriten. Noch einmal danke für die erkenntnisreiche Diskussion.
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Wiemelhauser
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Beitrag Verfasst am: 19.03.2008, 13:34    Titel: @Susanne: Sugarplum Fairy - Oasis Antworten mit Zitat
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Du hast natürlich recht, ich habe mich vertan. Man kann ja aber auch nicht jeden Titel behalten. Wink

Ich kenne Leute, die ganz schön sauer auf die Sugarplums sind, weil sie dreiste Oasis-Kopien für Blasphemie halten. Ich sehe das nicht so (warum soll man etwas, dass funktioniert, nicht auch machen?) und Du offenbar auch nicht.
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