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fififrommali
Tourist

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Anmeldedatum: 08.12.2008
Beiträge: 1
Wohnort: tübingen
Beitrag Verfasst am: 09.12.2008, 04:57    Titel: zerfällt ! Antworten mit Zitat
lieber oliver,

die ersten drei bände habe ich geradezu verschlungen. meiner frau und meinem 12-jährigen sohn musste ich mehrmals wegen meines scheinbar unergründlichem kicherns und glucksens auf dem sofa dann die auslösenden stellen aus den büchern vorlesen (die lieblingsstelle meines sohnes : das pupsen von hartmut, als "ich" und hartmut die treppe in den wandelgermanen auf händen tragen - und ich habe jetzt auch schon wieder dieses dämlich-glückliche grinsen). sie liest jetzt auch schon uschmann, er sucht immer wieder die "schönen" stellen raus und auch freunde berichten schon über lesefreunden mit hartmut und ich.

aabbeerr lahidär :

murp! ist zwar der band, der alles vorher angekündigte und versprochene ("nein, das ist nicht nur klamauk oder ein weiterer schnelllebiger popliteratur-ausfluss, gelesen, weggelegt, vergessen... - da steckt philosophie drin !") in eine manifesthafte form bringt, dabei mir aber unter den fingern zerfällt.

einerseits das "manifest" - das buch im buch - , das wirklich phasenweise absolut großartig dinge auf den punkt bringt, die man schon lange als kulturkritik mal so geäußert haben möchte - ich sehe dich schon als talkgast bei von anne will zu kerner zu illner etc. gegen die finanzkrise und als retter des abendlandes weitergereicht ... dann aber ist eben dieses "manifest" zu langatmig und sich zu sehr in details verlierend. weniger wäre hier mehr gewesen, denn dieser form tut das "vom-hölzchen-zum-stöckchen-prinzip" nicht gut.

aber egal : mehr sorgen macht mir mein anderer kritikpunkt, den ich dir mitteilen möchte : für mich trägt die rahmenstory nicht, die du um dieses manifest herum baust. zwar hast du für die ort- und haltlosigkeit, für das ewige-unterwegssein und nirgends-ankommen als unsere moderne existentielle befindlichkeit in den situationen der kunstkarawane schöne und passende bilder gefunden, aber die handlung zerfällt in lauter kleinteilige brösel. klar ist das natürlich auch die message, aber für mich als leser trägt und befriedigt das nicht. enttäuscht blätterte ich ab der mitte des buches dann immer öfter weiter, weil die handlung keinen thrill entwickelte, sondern als nummernrevue immer wieder dieselben personen mal von links, mal von rechts auftreten lässt. toll sind z.b. die gut-menschen-eltern, deren sohn scheinbar kreative höchstleistungen vollbringt, die aber nichts anderes sind als die abbilder von indizierten computerspielen. aber wenn der einmal auftritt, ist das klasse, zweimal auch noch, aber beim vierten oder fünften mal überfliege oder überblättere ich ihn nur noch.

während bei "voll beschäftigt" und "wandelgermanen" die handlung einen roten faden hatte - mit vielen wunderbaren nebenwegen, ausflügen, abschweifungen - , und rein als story schon befriedigte, und ich sie bei einem bier meinen fußballkumpels weitererzählen konnte ohne dass sie ins gähnen gerieten, gelingt mir das bei murp! nicht. ist nicht bier- , fußballkumpels-, tresenfähig !

bitte. lieber oliver. lass "ich" und hartmut samt den mädels wieder sesshaft werden. lass sie weiterhin so wunderschön abgedrehte dinge erleben. lass sie als philosophen weiterhin den murp! als gegenentwurf proklamieren.
aber gib ihnen was zu beißen - und mir was zu lesen, richtig zu lesen, richtig zum miterleben, mitzittern, mitfreuen. ich will nicht ungeduldig weiterblättern, weil nix mehr passiert. dafür ist der murp! zu schade und zu wertvoll.

ich warte mit freunden und spannung auf den nächsten band

liebe grüße

ralf (der mit dem barocken murp!)
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Oliver
Moderator

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Anmeldedatum: 03.03.2008
Beiträge: 151
Wohnort: Herbern
Beitrag Verfasst am: 10.12.2008, 12:05    Titel: Antworten mit Zitat
Hi Ralf,

besten Dank für die fundierte Kritik und das auch darin erhaltene Lob! Ich weiß beides zu schätzen.

Wie Du schon ganz richtig sagst - die Handlung so zu gestalten, war Teil des Konzepts.
Es ist immer riskant, polarisierende Themen und/oder schriftstellerische Konzepte zu benutzen, da man niemals alle Leser mit ein und dem selben Buch befriedigen kann. Viele andere Leser lieben übrigens gerade diese Form, die für Dich nicht so ansprechend ist.
Andererseits ist das Schreiben eben auch ein künstlerischer Prozess, in dem Form und Inhalt einander finden. Ich hätte dementsprechend den MURP! nicht anders schreiben können.

Keine Sorge - am Ende der murpigen Zeit wird ja schon angedeutet, dass Hartmut und Co. sich wieder fest nieder lassen wollen. Zwar wieder nicht in Bochum, soviel sei hier verraten, aber "miterleben", "mifreuen" und "mitzittern" ist im nächsten Roman Programm.

Oliver
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